Paul-Martini-Schule
Schule für Kranke
der Bundesstadt Bonn

Kaiser-Karl-Ring 40a
53111 Bonn
Tel.: +49 (0)228-96779410
Fax: +49(0)228-670396

Leistungskonzept

Leistungskonzept der Paul-Martini-Schule für Kranke (PMS)
Stand: August 2015

1. Ziele der PMS

Ziel der PMS ist es, ihre Schülerinnen und Schüler in die Lage zu versetzen, unter den Bedingungen von Krankheit und Klinikaufenthalt individuell bestmöglicheschulische Leistungen zu erbringen und die auf diese Weise möglichen „Ich-kann-Erfahrungen“ erlebbar zu machen.
Es geht um individuelle Leistungsgerechtigkeit.
Positive Lernerlebnisse und Lernergebnisse unterstützen den Heilungsprozess und bilden die Grundlage für die gelingende Wiedereingliederung nach dem Klinikaufenthalt.
Die schulische Arbeit stellt sich dabei folgenden Herausforderungen:
  • berücksichtigen der krankheits- und behandlungsbedingt hoch instabilen, täglich wechselnden Leistungsfähigkeit der einzelnen Schülerinnen und Schüler
  • umgehen mit fehlender Leistungsmotivation bis hin zur Leistungsverweigerung aufgrund von frustrierenden, traumatisierenden schulischen Vorerfahrungen (Schulverweigerung)
  • begleiten von Prozessen einer realistischen Neudefinition der individuellen schulischen Leistungsfähigkeit und der persönlichen Leistungserwartungen vor dem Hintergrund der aktuellen, und möglicherweise auch dauerhaft, veränderten individuellen physischen und/ oder psychischen Situation
  • verwirklichen von individuell adäquaten Leistungsanforderungen innerhalb von Lerngruppen mit einem außerordentlich heterogenen Leistungsspektrum (2-3 Jahrgangsstufen und verschiedene Schulformen umfassend)
  • ermöglichen bestmöglicher schulischer Leistung innerhalb eines, durch den Klinikbetrieb und individuelle Behandlungserfordernisse vorgegebenen, engen Zeitfensters
  • sichern von während des Klinikaufenthalts aufgebauten schulischer Leistungsbereitschaft und schulischem Leistungsvermögen für die nachklinische Fortsetzung der Schullaufbahn
2. Maßnahmen der PMS zur Erreichung der Ziele

Schulklima: Klassen- und Fachräume laden zu schulischer Leistung ein. Sie sind sauber, hell, freundlich und heben sich in der Ausstattung sehr deutlich von den Klinikräumen auf den Stationen ab. Die Lernumgebungen sind übersichtlich
strukturiert und Lehr- und Lernmaterialien werden motivierend angeboten. Namensschilder (z.B. in den Lerngruppen der Primarstufe) im Klassenraum, an Garderobenhaken, Ablagekästen und Ordnern verweisen auf die Zugehörigkeit und
Präsenz der einzelnen Schülerinnen und Schüler. Der Umgangston ist freundlich und respektvoll.

Sorgfältiges Ermitteln der individuellen Ausgangslage:

  • Ausführliches Kennenlern-Gespräch mit jeder einzelnen Schülerin, jedem einzelnen Schüler
  • Einholen ausführlicher Informationen von der Heimatschule
  • Bei allen Schülerinnen und Schülern Austausch mit den Kliniken überErgebnisse klinischer Diagnostik und deren Relevanz für schulisches Lernen
  • Tagesaktueller Austausch mit dem medizinisch-therapeutischem Personal
  • Täglich persönliche Nachfrage zur individuellen Befindlichkeit des einzelnen Kindes bzw. Jugendlichen
  • Einsatz (standardisierter) Verfahren zur Kompetenz- und Leistungsermittlung (z.B. Online-Diagnose Mathe, Deutsch, Englisch, Dokumentationsbogen zur Leseentwicklung, Kompetenzcheck, Berufseignungstests)
  • Zusammenarbeit mit der Reha- Beratung der Arbeitsagentur
Unterricht:
  • Realisieren eines Höchstmaßes an innerer Differenzierung,
  • Umsetzen eines erweiterten, individualisierten Leistungsbegriffs, Orientierung an der individuellen Bezugsnorm: der Begriff „Leistung“ reicht dabei von Leistungen wie „das Schulgebäude betreten“ (Schülerinnen und Schülermit einer Angststörung), über „sich 15 Minuten in einer Lerngruppe aufhalten können, ohne sich selbst oder andere zu gefährden“ (Schülerinnen und Schüler mit dissozialem Verhalten) bis hin zufächerbezogenen, standardisierten Leistungserwartungen, die für einen erfolgreichen Schulabschluss nötig sind (Schülerinnen und Schüler mit Essstörungen).
Individuelle Förderpläne werden mit den Schülerinnen und Schülern persönlich abgestimmt und evaluiert.

Individuelle Stundenpläne werden bei Bedarf und in Absprache mit der Klinik zum kontinuierlichen Aufbau der unterrichtsbezogenen Belastungsfähigkeit erstellt.

Regelmäßige individuelle Leistungsüberprüfung: Verfahren mit Selbst – und/oder Fremdkontrolle.

Arbeit mit schulinternen Bildungsplänen in Deutsch, Englisch und Mathematik in den Jahrgangsstufen 7 – 10.; in der Primarstufe in Deutsch und Sachunterricht

Fächerübergreifendes und projektorientiertes Lernen:
besondere Leistungsmotivation, da hier Leistung in traditionell weniger schultypischen Bereichen gefragt ist; hier werden den Schülerinnen und Schüler auch besondere Aspekte ihres individuellen Leistungsprofils bewusst
  • Werkstatt-Tag am Mittwoch
  • jährlich in allen Abteilungen und allen Jahrgangsstufen stattfindende „Projektwoche Gesundheit“
  • jährlich in allen Abteilungen und allen Jahrgangsstufen stattfindender „Lesetag“ mit vielfältigen jahrgangsübergreifenden Angeboten
  • gemeinsames Sport- und Spielfest der Abt. KJPP, Sprache und KiNZ zum Weltkindertag, bei dem Kooperationsleistungen der heterogen (Kl. 1-13) zusammengesetzten Wettbewerbsriegen im Vordergrund stehen
  • Regelmäßig stattfindende theaterpädagogische Projekte
  • LiBBL-Konzept
Schülerberatung:
  • Erstellung individueller Förderpläne: Schülerinnen und Schüler setzen sich selbst realistische Ziele und üben sich hinsichtlich erbrachter Leistungen in der Selbsteinschätzung
  • regelmäßiges Lehrerfeedback
  • Schüler-Lehrer-Gespräche zur Selbstpräsentation hinsichtlich des Umgehens mit der Krankheit/ Störung und möglicherweise (vorübergehender) Leistungseinschränkung im schulischen Feld
  • Schüler-Lehrer-Gespräche und Förderkonferenzen zur Fortsetzung der
  • Schullaufbahn
Leistungspräsentation und Leistungsdokumentation:
  • regelmäßige Präsentationsphasen im Unterricht aller Lerngruppen;
  • regelmäßige Präsentation und Würdigung von Arbeitsergebnissen im wöchentlichen „FORUM“ der gesamten Schulgemeinschaft;
  • regelmäßig selbst erarbeitete Vorträge von Schülerinnen und Schülern, die an einer stationären Stottertherapie teilnehmen, in denen sie ihre Situation als Stotterer darstellen;
  • ansprechende Ausstellung von Schülerarbeiten im Schulgebäude und in der Klinik;
  • Anregung und Anleitung zur Teilnahme an Wettbewerben;
  • Erstellen von Urkunden; Ausgabe von“ Führerscheinen“,
  • Erstellen von Zeugnissen, Abschlussberichten, Lern- und
  • Entwicklungsberichten
Übergangsgestaltung:
Vorbereitung und Begleitung von „Belastungserprobungen“ mit dem Ziel
kontinuierlicher Leistungssteigerung zur Vorbereitung der nachklinischen schulischen
Wiedereingliederung durch:
  • Beratungsgespräche mit allen Beteiligten,
  • Absprachen zur Stundenplangestaltung,
  • begleitende Hilfen,
  • Beratung zur Beantragung von Nachteilsausgleichen.
Unterstützung zum Erreichen von Schulabschlüssen:
  • Vorbereitung von Schülerinnen und Schülern zur Teilnahme an „Externenprüfungen“ zum Erreichen des Abschlusses 10A (seit 2007) und des 10B (seit 2011);
  • Gestaltung spezifischer schulanschlussvorbereitender Unterrichtsangebote für sog.“SchiN“ (Schüler(in) in Nachbehandlung), u.a. in Kooperation mit der web-school.
3. Daran lässt sich erkennen, dass die Ziele erreicht werden

  • Positive Rückmeldungen ehemaliger Schülerinnen und Schüler;
  • bei vielen Schülerinnen und Schülern erfolgreiche Fortsetzung der Schullaufbahn nach Klinikaufenthalt;
  • Positive Rückmeldungen unserer Kooperationspartner;
  • erfolgreiche Teilnahme der Schülerinnen und Schüler an „Externenprüfungen“ seit 8 Schuljahren;
  • Preisträger im Wettbewerb “Gute gesunde Schule 2010“;
  • Preisträger: „Kunst an Bonner Schulen“;Preise für Scripsi/Intermezzo (Schülerzeitung),
  • Preisträger Deutscher Schulpreis 2012