Paul-Martini-Schule
Schule für Kranke
der Bundesstadt Bonn

Kaiser-Karl-Ring 40a
53111 Bonn
Tel.: +49 (0)228-96779410
Fax: +49(0)228-670396

Die Schreibwerkstatt

Schreibwerkstatt
TeilnehmerInnen bei der Arbeit

 

Die Schreibwerkstatt ist ein einmal wöchentlich stattfindendes Unterrichtsangebot für bis zu 6 Schülerinnen und Schüler.

Für die Klassen 9 – 13 der Schulabteilung Kinder- und Jugendpsychiatrie als 90–minütiges Angebot. Für die Klassen 3 - 4 und 5 -6 jeweils als 45-minütiges Angebot.

Die Teilnahme ist freiwillig. Wer sich allerdings nach einer „Schnupperstunde“ entscheidet, dabei zu bleiben, verpflichtet sich damit auch dazu, regelmäßig teilzunehmen – bis zu den nächsten Schulferien oder bis zur Entlassung aus der Klinik.

Der Ablauf der Arbeit in der Schreibwerkstatt gliedert sich jedes Mal in folgende Phasen:

1. Begrüßung, Abfrage der aktuellen Befindlichkeit auf einer Zahlenskala,
    Begrüßung neuer SchülerInnen und Erläuterung der Werkstattregeln.

2. „Warmschreibeübung“

3. Werkphase: je nach Entscheidung der einzelnen TeilnehmerInnen:
   - Fortsetzung der unter 2. begonnenen Aktivität  
   - Beginn oder Fortsetzung eines eigenen Schreibvorhabens allein oder in
     Partnerarbeit

4. Austausch:
   - Kurze Rückmeldung aller TeilnehmerInnen zu den Fragen: Was habe ich
     gemacht? Was ist entstanden? Wie ist es mir dabei ergangen? Könnte ich der  
     Austauschrunde etwas vorstellen?
   - Festlegungen für die Feedbackrunde
   - Vorstellen einzelner Werke und Feedback durch die TeilnehmerInnen

tl_files/Bilder Paul Martini/2_Bes_Lernangebote/schreibwerkstatt01.jpgDer inhaltlich- thematische Rahmen ist offen. Eine gemeinsam mit den Schülerinnen und Schülern erstellte Sammlung möglicher Themen und Inhalte, sowie Schreibanregungen, die im Laufe der Zeit innerhalb der Gruppe erprobt wurden und in Karteikartenform zur Verfügung stehen, können als Schreibimpulse benutzt werden. Bei jedem Treffen stellt die Leiterin der Schreibwerkstatt als „Warmschreibeübung“ eine Schreibmöglichkeit vor und lädt dazu ein, diese auszuprobieren. Dabei kann es sich auch um Schreibanregungen handeln, die Partnerarbeit  oder die Zusammenarbeit der Gesamtgruppe erfordern.


Verschieden Stifte, Papiere in verschiedenen Größen und Farben, Scheren, Kleber  und  PCs stehen für die Arbeit zur Verfügung.

tl_files/Bilder Paul Martini/2_Bes_Lernangebote/schreibwerkstatt03.jpgVon besonderer Bedeutung sind  für die Schülerinnen und Schüler das autobiografische Schreiben und die Möglichkeit, die methodischen Anregungen zu verwenden, um sich „Dinge von der Seele zu schreiben“. Die eigene Geschichte, die Beziehungen zu Familie und Freunden, das Krankheitserleben, Erfahrungen mit dem Klinikalltag, mit Therapien, die Auseinandersetzung mit verschiedenen Gefühlen und der Blick auf die Zeit nach dem Klinikaufenthalt sind Inhalte, die die Schülerinnen und Schüler häufig zum Thema ihrer Textproduktionen machen.

Die Arbeit der Schreibwerkstatt hat keine therapeutische Zielsetzung, was nicht ausschließt, dass Prozesse mit therapeutischer Relevanz angestoßen werden oder zum Tragen kommen. Diese können im Rahmen der klinischen Therapieangebote vertiefend weiterbearbeitet werden. Die Leiterin der Schreibwerkstatt regt im Einzelfall dazu an. Die Schülerinnen und Schüler selbst haben meistens ein deutliches Gespür dafür, wie weit sie den Raum, die Instrumente und die Personen der Schreibwerkstatt zur Bearbeitung individueller personnaher Themen nutzen können und wollen. Für die Werkstatt gelten „Werkstattregeln“. Besonders wichtige Voraussetzung für das Gelingen der Arbeit in der Schreibwerkstatt ist das Einhalten der Vertraulichkeitsregel.

Die entstandenen Texte werden als „Werkstücke“ verstanden, die der Gruppe oder einem ausgewählten Mitglied vorgestellt werden können. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer geben Rückmeldungen zu den vorgestellten Texten. Dabei gelten mit der Gruppe vereinbarte Feedback-Regeln, die z. B. keine Fragen nach dem Wahrheitsgehalt oder Nachfragen, die von voyeuristischem Interesse geleitet sind, sowie Spekulationen zur Befindlichkeit der Verfasserin oder des Verfassers zulassen.

Die entstandenen Texte können bei ihren Verfasserinnen und Verfassern verbleiben, die sie möglicherweise zu einem späteren Zeitpunkt weiterentwickeln, sie können auch dem „Werkstücke“ – Ordner der Schreibwerkstatt überlassen werden und so zur Inspiration und Weiterbearbeitung für Mitglieder der Schreibwerkstatt dienen oder sie werden mit dem Ziel der Veröffentlichung  in der Schulzeitung Intermezzo der Schulzeitungsredaktion zugeleitet.

Alle Werkstattmitglieder erhalten eine Mappe, die für die Zeit des Besuchs der Paul-Martini-Schule in der Schule verbleibt, und in der sie ihre persönlichen Werke sammeln.

 

Ich schreibe

Ich schreibe, weil mich das Schreiben meistens ablenkt.
Durch Schreiben kann ich meine Gefühle sehr anschaulich zum Ausdruck bringen.
Ich schreibe, wenn ich mehr über mich erfahren möchte.
Schreiben ist für mich eine kleine Erleichterung.
Schreiben hilft mir, mir über meine Probleme etwas klarer zu werden.
Beim Schreiben spüre ich, wie langsam Ballast von mir abfällt.
Schreiben bedeutet für mich, Sinnvolles zu tun.
Ich schreibe, damit ich, wie z. B. in einem Tagebuch, noch nach vielen Jahren spezielle Dinge über mich nachlesen kann
Durch Schreiben will ich mich und meine Umwelt besser kennenlernen
Beim Schreiben fühle ich mich frei und unbeschwert.
Das Schreiben zeigt mir, wie ich mich verändern kann, damit sich Situationen bessern können.
Ich schreibe, um viele Dinge besser verstehen zu können.

(Teilnehmerin Schreibwerkstatt, 15 Jahre)